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Brief aus der Arche - Nr. 2
Veröffentlicht am 29. 06. 2010 von Dr. Gerald Slotosch | Aktualisiert am 23. 02. 2011 | Aufrufe: 1505

Bildung ohne Raum -
am Beispiel der Auslagerung der Grundschule Thal an die Breitenberggrundschule

An guten Schulen und an guten Straßen erkennt man einen guten Staat.“ Das alte preußische Sprichwort beschreibt Werte für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Doch ob das Ganze heute noch gelebt wird, daran dürften Thaler und Ruhlaer Bürger und Eltern einmal mehr zweifeln. Denn nun dürfen die Thaler Grundschüler doch auf unbestimmte Zeit als Gast in der Breitenbergschule Ruhla lernen. Ich schreibe bewusst „unbestimmte Zeit“, denn erstens kann keiner angesichts der propagierten Haushaltslage von Land und Kommunen eine fristgerechte Sanierung bis 2013 sicher vorhersagen, denn zweitens sind 2012 wieder Landratswahlen und die Karten werden neu gemischt. So bleibt der Blick auf die jetzige Lage. Über die vielen Nachteile ist schon oft geschrieben worden. Einer scheint aber herauszuragen: Bildung ohne Raum.


Zum einen ist dies bald ein Fakt an der Breitenbergschule, denn ab Schuljahr 2010/2011 müssen nun ca. 140 Schüler, also viel mehr Kinder als bisher, an dieser kleinsanierten Schule lernen. Da die Klassen in den Strukturen der beiden Schulen bestehen bleiben, wird viel an Raum verloren gehen. Obwohl sich die Trennung von Klassenräumen, Spezialräumen und vor allem Horträumen pädagogisch und sozial bewährt hat, muß nun zusammengelegt werden, dass jede Klasse auch ihren Raum bekommt. Das hat auch Auswirkungen auf die Betreuung der Naturdetektive durch unseren Verein. Normalerweise sind die Schüler mit Betreuer auf dem Naturerlebnispfad. Bei Schlechtwetter aber konnte die Gruppe bisher den freien Computerraum für Spiele, Quiz oder Bastelarbeiten nutzen. Mit der neuen Situation wird dieser Raum zum Klassenraum. Die Abstimmung wird also in der kalten Jahreszeit für unser Angebot im Rahmen der Ganztagschule aufwendiger. Dies ist aber nur ein kleines Beispiel für grundlegende Veränderungen an jedem Schultag. Der kleine Pausenhof führt zum Schichtsystem. Problematisch wird auch die Situation im Essenraum. Trotz Erweiterung in die ehemalige Garderobe mit dann insgesamt etwa 60 Plätzen, wird auch hier das Essen in Schichten stattfinden müssen. Platzmangel und Zeitdruck können aggressiv machen. Fragt man die Lehrer zu diesen beengten Verhältnissen befürchten sie, dass die sozialen Aspekte der Kultur des einträchtigen Zusammenlebens und der Vorbeugung von Gewalt die Pädagogik im Schulalltag bestimmen werden.

Bildung ohne Raum ist zum anderen festzustellen, wenn man sich das ganze Entscheidungsverfahren für die Auslagerung der Grundschule Thal in die Breitenberggrundschule betrachtet. 2008 zum 100. Jubiläum der Thaler Grundschule kein Wort der Auslagerung. Das große Fest wird gefeiert. Der Sperrvermerk aus dem alten Schulnetzkonzept der frühen 2000er Jahre wird aufgehoben. Das war vor der Wahl des Kreistages 2009. Alle wiegen sich in Sicherheit. Dann wird der „mangelhafte Brandschutz“ als Grund des Sperrens zum August 2010 gefunden. Im September 2009, im politisch günstigen Zeitfenster nach der verlorenen Landtagswahl aber noch vor der Bundestagswahl, sieht das neue Konzept die Schließung von drei Schulen im Erbstromtal vor. Es folgen große Aufregung bei den Eltern. Gutgemeinte Ratschläge von Kommunalpolitikern und Bürgermeistern kursieren. Anhörungen, Schulbesuche, Ausschusssitzungen führen im Februar 2010 zum Kreistagsbeschluss des Erhalts der Grundschule Thal ohne über die Finanzierung zu reden. Kurzes Aufatmen. Dann die Überraschung aus der Schulverwaltung im April 2010, die Auslagerung kommt doch. So schnell sei kein Geld für die Sanierung da. Die vermeintliche Beteiligung der Eltern, Großeltern und Bürger führte letztlich über mehrere Etappen mit Schulleiterberatungen und Schulkonferenzen zur wohl längsten und quälendsten Elterninformationsveranstaltung des Landrats im Mai 2010 im Ruhlaer Kulturhaus. Die wirklich alternativen Vorschläge, unterstützt von Thaler und Ruhlaer Eltern, zur Zwischenlösung mit Auslagerung in die nahegelegene Regelschule Seebach werden dabei mit Bürokratieformeln von der Schuldezernentin weggeredet. Der Landrat schweigt in diesem Punkt und redet von sinkenden Schülerzahlen, obwohl doch mit Wirtschaftsförderung schon in wenigen Jahren eine ganz andere Situation eintreten könnte.

Dieser Abend voller Frust und die Konsequenz der Politikverdrossenheit waren anschließend oft in den Leserbriefen in der Presse nachzulesen. Das ist verständlich, denn auch die politische Meinungsbildung der Bürger blieb ohne Raum. Und das letztlich auch im Kreistag. Zum Schluss wurde im Juni 2010 der Eilantrag von Linken, FDP, LAD und Freien Wähler in beiden Teilen, der Auslagerung nach Seebach und der Fertigstellung der Sanierung der Grundschule Thal bis Herbst 2011, abgelehnt. Da war er wieder, der Grund für die Bildung ohne Raum: der Finanzierungsvorbehalt. Und das bei verwaltungsinternen Kostenschätzungen zwischen 2,7 Mio. Euro und 1,7 Mio. Euro und externen Kostenschätzungen zur Herstellung der Betriebssicherheit von 343.000 Euro. Relativ kleine Zahlen bei einem Haushaltsplan 2010 von ca. 105,8 Mio. Euro im Verwaltungshaushalt und 9,9 Mio. Euro im Vermögenshaushalt des Wartburgkreises. Wie gern erinnert man sich da an die stolz präsentierten Statistiken über Wohlstand und Schuldenfreiheit des Wartburgkreises. Wie gern erinnert man sich an die schönen Sonntagsreden zu Bildung und Jugend und Zukunft. Früher hieß es einmal: Lasst die Kirche im Dorf. Heute müsste es heißen: Lasst die Schule im Dorf. Ansonsten gehen die Menschen.

Aber Bildung ohne Raum wird im Kreistag des Wartburgkreises noch deutlicher, wenn man das Abstimmungsverhalten und die Anwesenheit der Sitzung vom 9. Juni 2010 betrachtet. 21 Stimmen sind gegen den o.g. Alternativ-Antrag (Auslagerung Seebach/Schnellsanierung Grundschule Thal bis 2011). 13 stimmen dafür. 7 enthalten sich. Insgesamt sind also 41 Kreistagsabgeordnete bei der Abstimmung anwesend. Schon die sieben Kreistagsabgeordneten, die sich der Stimme enthielten, müssen sich fragen lassen, warum sie sich bei diesem Zukunftsthema nicht entscheiden können oder wollen. Noch mehr Unverständnis gibt es für die 9 Kreistagsabgeordneten, die nicht anwesend waren. Wofür haben wir Sie im Juni 2009 gewählt? Welche wichtigen anderen Gründe gab es, um bei dieser Zukunftsentscheidung eines Schulstandortes nicht dabei zu sein? Wann geben Sie Bildung den notwendigen Raum in Ihrem politischen Denken?

Ich bin mir bewusst: Das Schimpfen auf die politische Klasse hilft nicht. Die Schelte auf politikverdrossene Bürger bringt aber auch nichts. Bildung ohne Raum heißt: unsere Gesellschaft ist am Zerfallen, unser politisches System ist schwer krank, es hat Krebs. Aus dieser Einsicht kann nur eines Folgen, ob als Wähler oder Mandatsträger: nehmen wir unsere Verantwortung wahr. „An guten Schulen und an guten Straßen erkennt man einen guten Staat.“

Dr. Gerald Slotosch

1. Vors. Arche Nova Ruhla e.V.    Kontakt: info@arche-nova-ruhla.de

29.06.2010

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F. Ackermann
14. Dezember, 2014 , 14:47
Ich wünsche den beiden neuen
Vorstandsmitgliedern viel Erfolg
für ihre zukünftigen Aufgaben und
stehe auch weiterhin, im Rahmen
meiner zeitlichen Möglichkeiten,
zur Verfügung ! Allen Mitgliedern
wünsche ich einen schönen 3 Advent
!

F. Ackermann
13. September, 2013 , 18:39
... übrigens der nächste
"Museumstreff" ist schon an diesem
Wochenende ! Weitere Infos unter
Veranstaltungen .

Administrator
13. September, 2013 , 18:36
Der Veranstaltungskalender ist nun
wieder verfügbar und zeigt nun die
letzten verbliebenen Termine des
Jahres 2013 an. Schauen sie doch mal
rein !

Administrator
13. September, 2013 , 17:36
Achtung ! Unser Veranstaltungs-
kalender wird in kürze wieder zur
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